Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest

September 2022
Dr. Michael Renfer
Leiter Praxis INTEGRI Thun

Am Eidgenössischen Schwing und Älplerfest in Pratteln ist der Chiropraktor Dr. Michael Renfer neu im Betreuerteam des Bernisch Kantonalen Schwinger Verbands. Wir wollten von ihm wissen, wie sein Einsatz im Feld aussieht und wen er denn da warum behandeln muss.

Schwingen
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Herr Renfer, welchen Sport treiben Sie?

In meiner Jugend war ich sportlich sehr aktiv und ambitioniert unterwegs. Ich war Mitglied im Turnverein und sehr polysportiv: Korbball, Leichtathletik, Gymnastik, Geräteturnen und Nationalturnen. Seit dem Studium und dem Berufs- und Familienleben bin ich weniger sportlich aktiv, aber dem Verein immer noch als Wertungsrichter verbunden. Heute sieht man mich vor allem beim Schwimmen und Radfahren.

 

Demzufolge kennen Sie sich mit Schwingen aus. Behandeln Sie in Ihrer Praxis auch Schwinger / SportlerInnen?

Durch das Nationalturnen, ein Mehrkampf, welcher neben Steinstossen auch Ringen und Schwingen beinhaltet, stand ich auch schon im Sägemehlring. Daher kenne ich das Griff-Fassen, die Schwünge und auch die häufigsten gesundheitlichen Problemzonen bei diesem Kampfsport.


Die Schwinger kommen zu mir, damit sie für die Feste einsatzbereit und leistungsfähig sind. Klemmgefühle, Blockaden und Spannungen lösen ist die häufigste Behandlung, und zwar nicht nur in der Wirbelsäule, sondern auch in Schultern und Hüfte. Letzthin musste ich einem Patienten eine Schwingpause verschreiben, weil er eine Rippe angeknackst hatte. Dabei gilt es genau abzuwägen, wie der Athlet weiter trainieren kann. Ich helfe ihnen, diese Balance zwischen Regeneration und Belastung zu finden. In der Praxis in Thun behandle ich neben Schwingern auch andere Sportler:innen. Meistens müssen kleine Blessuren aus dem Training behandelt werden.

Schwingfest

Wie kommt man als Chiropraktor ins Betreuerteam des Eidgenössischen Schwing und Älplerfest (ESAF)

Mit ein bisschen Glück und aus Interesse. Glück, weil das Betreuerteam des Berner Kantonalen Schwinger Verbandes für die Eidgenössischen Feste (ESAF) gerne verschiedene Fachspezialisten vor Ort hat. So ist neben Masseuren, Physiotherapeuten, Orthopäden eben auch ein Chiropraktor anwesend. Ich wurde von der Chefin des Betreuerteams angefragt, weil sie wusste, dass ich schon Schwinger betreut hatte. Aus Interesse, weil es ist ein tolles Event in einer einmaligen und familiären Atmosphäre ist. Wenn man gefragt wird, ob man beim ESAF dabei sein kann, ist das natürlich spannend. Also bin auch ich ein wenig kribblig.

 

Wegen was kommen die Schwinger am Schwingfest zu Ihnen? Was sind typische Verletzungen im Ring?

Typische Verletzungen sind vor allem Knieprobleme und der Schulter-Nackenbereich. Diese kann ich je nach Befund mit einem manuellen Impuls oder einer Justierung vor Ort behandeln. Aber auch einfache Blockaden und Verspannungen werden natürlich behoben, damit der Schwinger seine beste Leistung zeigen und vielleicht um den Königtitel mitreden kann. Im schlimmsten Fall müssen Unfälle wie ein Schädel-Hirn-Trauma, Sehnen- und Bänderrisse oder sogar Brüche beurteilt werden. Da ist die Zusammenarbeit mit den Orthopäden oder der Sanität wichtig.

 

Was ist der Unterschied in der Behandlung zu anderen SportlerInnen oder PatientInnen? 

Ich unterscheide bei meinen PatientInnen zwischen Leistungssport, Amateursport und Gesundheitssport. Gesundheitssport sollte jeder Mensch machen. Obschon die Schwinger Amateure sind, bewegen sie sich vom Trainingsaufwand und den Wettkämpfen im Leistungssportbereich. Daher betreue ich sie wie z.B. Eishockeyspieler oder TriathletInnen. Der Schwingsport hat in den letzten Jahren eine starke Professionalisierung durchgemacht. Die Betreuung der AthletInnen wurde stark verbessert und meist steht ein grosses Team an Masseuren, Physiotherapeutinnen und Coaches dahinter. Es ist schön, dass Chiropraktik nun auch im Betreuungsteam des ESAF vertreten ist. Es ist wichtig, gut miteinander zu kommunizieren und zum Wohl und im Sinne der Ziele des Athleten zusammenzuarbeiten.

 

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Sie sind zwar kräftig aber wie können Sie einen solchen Mann zurechtbiegen?

Zum Glück muss ich niemanden zurechtbiegen. Da es bei meiner Arbeit als Chiropraktor darum geht, feinste Blockaden und Funktionsstörungen im Bewegungsapparat zu lösen brauche ich nicht Kraft, sondern Technik. Zudem sind die Schwinger, obschon kräftig und gross gebaut, gut trainierte Athleten. Sie kennen ihren Körper bestens. Die Gelenke sind mobil und sie können die Muskeln sehr gut kontrollieren. Das ist auch wichtig damit sie sich während eines Zweikampfes nicht verletzen. Nach meiner Erfahrung lassen sich Blockaden bei einem Sportler besser lösen und behandeln als bei einer Patientin, die stundenlang hinter dem Bildschirm sitzt.

 

Werden Sie vor Ort übernachten?

Da das ESAF über mehrere Tage geht, werden wir auch vor Ort übernachten. Zusätzlich werden die Schwinger nicht nur während dem Wettkampf, sondern auch neben dem Sägemehlring und am Abend betreut.

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